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http://nachrichten.lvz-online.de/kultur/news/richard-marx-gab-sich-im-leipziger-haus-auensee-als-entspannter-entertainer/r-news-a-59978.html

Leipzig. Selbst wenn sie ein Konzert als “intim” und “akustisch” ankündigen, variieren die meisten Künstler die Arrangements ihrer Kompositionen nur geringfügig. Nicht so Richard Marx, Star der 1980er Jahre und heute vor allem Geschichtenerzähler. Vor die 500 Zuschauer im Haus Auensee stellte er sich am Donnerstagabend weitgehend alleine mit seiner Akustikgitarre.

Er liebt es, sich im Radio zu hören: “That’s really fun”, sagt Richard Marx in einer Ansage im Haus Auensee. Diesen Spaß dürfte er des Öfteren haben. Denn wer kann schon 19 Top-20-Hits, circa 30 Millionen verkaufte Tonträger und einen Grammy für sich verbuchen? Mit seinen Alben machte sich Richard Marx in den 1980er und frühen 1990er Jahren unsterblich. Seitdem laufen vor allem seine soften Rock-Balladen wie “Angelia” und “Right Here Waiting for You” in der Dauerschleife der Radios.

Seither ist es etwas still um den Songwriter aus Chicago geworden. Sein letztes kommerziell erfolgreiches Album liegt schon fast 20 Jahre zurück. Mit seiner gerade laufenden Akustik-Tour und seiner neuen CD “Stories To Tell”, erschienen auf dem Independent-Label Wrasse Records, versucht er, sich wieder zurück ins Bewusstsein seiner Hörer zu spielen.

Zwei Gitarren, ein Mikrofon

Schon vor dem ersten Ton reicht ein Blick auf die Bühne, um zu erkennen, dass Marx heute ein intimes Konzert spielen möchte. Gerade mal zwei Gitarren, ein Mikrofon und ein Klavier stehen dort. Als Marx dann alleine die Bühne betritt und endlich seinen ersten Hit “Endless Summer Nights” bringt, ist klar: Es gibt eine One-Man-Show. Gleich zu Beginn macht Marx klar, dass er eine relaxte Stimmung schätzt. Er möchte ein bisschen mit seinen Fans “abhängen”. So als wäre man alte Freunde.

Und genau das bekommt er. An jeder wichtigen Stelle eines Refrains findet sich ein spontan formierter Background-Chor aus den Reihen des Publikums. Es wird eifrig mitgeklatscht und gelacht, wenn Marx eine seiner vielen Geschichten aus dem Nähkästchen plaudert. Mit sympathischen und gut erzählten Anekdoten spinnt er einen engen Kontakt bis in die letzte Reihe.

So zum Beispiel die Geschichte zu seinem Hit “Hazard”: Marx hielt den Song für so schlecht, dass er ihn gar nicht herausbringen wollte. Seine Frau aber erkannte das Potenzial des Liedes und schloss mit ihrem Mann eine Wette ab. Marx verlor – Hazard erreichte in mehr als 14 Ländern Platz eins. Aber nicht nur alte Hits bestimmen sein Akustik-Konzert. Er mischt immer wieder neuere Nummern in sein Repertoire wie die ergreifende Ballade für seinen verstorbenen Vater “Through My Veins”.

Extreme Hingabe

Es ist erstaunlich, wie es Marx gelingt, nur mit seiner Gitarre über die 100 Minuten des Konzerts fast alleine – nur für ein paar Lieder rückt Pianist Steve Hornbeak zur Verstärkung an – die Stimmung von Song zu Song zu steigern. Grund dafür ist die extreme Hingabe, mit der Marx auch die einfachste Begleitung schrammelt, mit der er immer wieder seine kehlige Stimme soulig ins Falsett drückt und jeden noch so bekannten Refrain mit jugendlicher Frische singt.

Dass Marx ein Vollblutmusiker ist, der keine Tricks und doppelten Böden braucht, beweist er spätestens, als er mitten im Konzert den Stecker aus seiner Gitarre zieht und sich vor die Bühne stellt. Nur mit seiner Stimme und seine Gitarre füllt er den ganzen Raum aus. Ein wirklich relaxter Entertainer, wie man ihn selten hört.